• Katharina Sterl

INTERVIEW: NORTHLANE


In diesem Jahr feiern Northlane ihren zehnten Bandgeburtstag. Zum runden Jubiläum veröffentlichen sie mit „Alien“ ein sehr aggressives Album, das die Welten von Metal und

elektronischer Musik zu einem intensiven, pulverisierenden Hybriden vereint. Der Song „Eclipse“ etwa klingt, als würden sich eine Metal-Band und ein DJ blutig prügeln. „Details Matter“ vereint wütende Drum’n’Bass mit einem widerlichen Riff . Und „Talking Heads“ endet mit einem wilden und verzerrten Knall, der klingt, als wären gerade die eigenen Lautsprecher explodiert. „Ich freue mich auf unser Bandjubiläum“, sagt Deiley. „Aber ich möchte ihn auch schnell hinter mir lassen und weitermachen - mit Blick auf die große 20.“


“Alien” ist euer fünftes Studioalbum und thematisiert in den 11 Songs schonungslos ehrlich die Erlebnisse eures Sängers. Wie schwer ist es, etwas so privates preiszugeben und davon zu singen?


Alex: Es ist etwas, worüber ich schreiben wollte, seit ich zu Northlane gekommen bin, aber ich glaube, ich musste viel über mich selbst lernen und aufwachsen, bevor ich das tun konnte. Ich hatte auch keine Ahnung, wie die Leute darauf reagieren würden, sowohl die Fans als auch meine Familie, aber ich wusste auch, dass diese Geschichten bei vielen Menschen Anklang finden würden. Wir haben bereits „Bloodline“ und „Talking Heads“ im Vorfeld von Alien veröffentlicht und die Resonanz war überwältigend. Ich hoffe, dass die Menschen weiterhin auf ihre Geschichten und Erfahrungen eingehen und erkennen, dass sie nicht von ihnen definiert werden.


Gibt es einen Song, der eurem Sänger dabei besonders am Herzen liegt? Und wenn ja, wieso?


Das ganze Album ist mir ziemlich wichtig, aber das Lied, das ich in letzter Zeit oft gehört habe, ist „Freefall“. Es ist ein roher Bericht über meine Erinnerung an einen Schützen, der in unser Hotelzimmer eingebrochen ist, um meinen Vater auszurauben, als ich jünger war. Die Texte erzählen diese Geschichte in unangenehmen Details. Sie bringen dich in dieses Hotelzimmer und sehen, wie sich alles durch meine Augen entfaltet. Songs wie diese

sind für mich so mächtig, so einfach sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Es ist

dunkel und düster, genau so, wie ich es in dieser Nacht gefühlt habe.


Steht der Titel “Alien” dafür, dass man sich quasi wie ein außerirdischer fühlt, wie ein Fremder?


Es repräsentiert viele Dinge. Die „fremde“ Natur der Musik durch ihre elektronischen Einflüsse, aber auch die Entfremdung, die ich während der Ereignisse empfand, über die die meisten dieser Songs geschrieben wurden. Ich dachte auch, es würde die Leute abschrecken und ein futuristisches, weltraumbasiertes Album erwarten, obwohl es in Wirklichkeit das rohste, „menschlichste“ Album ist, das wir jemals veröffentlicht haben.


„Der Albumtitel kapselt uns auch davon ab, als was wir bislang wahrgenommen wurden. Northlane waren immer eine Ausreißer-Band. Ich glaube, das neue Album wird die Leute überraschen” . Inwiefern lässt sich die Aussage eures Sängers im musikalischen Bereich vermitteln?


Die Musik war das Erste, was den Gesang beeinflusste. Als Jon anfing, Demos für das

Album zu senden, stellten wir schnell fest, wie viel dunkler es im Vergleich zu früheren

Veröffentlichungen war. Es war uns immer wichtig, den Gesang mit der Stimmung des Instrumentals abzustimmen. Daher fühlte es sich wie die perfekte Leinwand an, um

diese Geschichte zu malen.


Was lässt euch das Risiko einer solchen Veränderung eingehen?


Wir schreiben immer die Musik, die wir schreiben möchten, egal ob sie als „riskant“ eingestuft wird oder nicht. Es ist ein Spiegelbild von uns zu diesem Zeitpunkt. Es waren n nicht die einfachsten Jahre für uns in unserem eigenen, persönlichen Leben, und „Alien“ wurde daraus geboren. Es versucht nicht, etwas Bestimmtes zu sein, es ist nur für uns wahr und wir sind super stolz darauf. Es ist eine Veröffentlichung für mich, aber auch für den Rest

der Band für ihre eigenen Erfahrungen.


Japan, Nord Amerika, Australien, UK, Europa: eine Weltournee ist es, wovon viele träumen. Ihr seid quasi non-Stop unterwegs. Ist das nicht auch anstrengend? Was treibt euch an?


Touring kann manchmal schwierig werden, aber es ist auch eine so erstaunliche Erfahrung, dass wir glücklich sind, das unsere „Arbeit“ zu nennen. Das Musizieren ist für mich eine

große Erleichterung. Egal wie schlimm ein Tag war, wenn ich erst einmal auf der Bühne bin, geht alles verloren. Es ist wichtig, auf sich selbst aufzupassen und Spaß daran zu haben, was man tut. Wenn man es nicht mag, wird es anstrengend, aber darüber hinaus ist das Schreiben und Aufführen von Musik der Antrieb.


Habt ihr einen Lieblingsort oder ein Lieblingsland für eine Tour?


Australien wird für uns immer etwas Besonderes sein, aber wir haben eine Reihe von Orten auf der ganzen Welt, die sich für uns wie ein zweites Zuhause anfühlen, wie London, Toronto und New York, um nur einige zu nennen. Japan ist auch ein Ort, der uns bei unserem letzten Besuch sehr beeindruckt hat. Deshalb freuen wir uns sehr, ihn auf der Alien World Tour wieder zu besuchen!


Foto: Northlane

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