• Katharina Sterl

INTERVIEW: GIVER Hardcore


Zur Zeit scheint es bei euch ja ordentlich abzugehen. Ihr spielt auf großen Festivals und auf ordentlichen Touren, u.a. Vainstream und Stick To Your Guns. Woran liegen diese Erfolge?


Danke euch erst einmal für das Kompliment! Wir haben Anfang des Jahres unser De-

but-Album Where The Cycle Breaks veröffentlicht und seit dem Release merken wir auf jeden Fall deutlich, wie wir mehr und mehr Anfragen bekommen und auch auf größere Shows und Festivals gebucht werden. Das ist eine wahnsinnig spannende und coole Erfahrung und natürlich ist es auch interessant mal vor mehr Leuten, einem neuen Publikum

und mit Bands wie Modern Life Is War, mit denen wir selbst aufgewachsen sind, zu spielen. Trotzdem spielen wir noch genauso gerne kleine Shows im DIY-Punk-Schuppen oder AZ der jeweiligen Stadt und machen unser Booking ja auch noch selbst. Erklären können wir uns diese „Erfolge“, wenn man sie denn so nennen möchte, vielleicht dadurch, dass es uns

seit mittlerweile fast fünf Jahren gibt und wir viele Freunde und Kontakte in der Szene haben finden können. Zum anderen stecken in der Platte mehr als zwei Jahre intensiver Arbeit und wir haben wirklich viel Herzblut und Lebenszeit in die Songs darauf investiert. Weiterhin hatten wir im Zuge des Schaffensprozesses die Gelegenheit mit sehr talentierten Menschen und Freunden zusammenzuarbeiten, die uns aufgenommen, Videos und Fotos mit uns produziert oder die LP letztendlich herausgebracht haben.


Shout out an Simon Veith, Adrian Gucze, Holy Roar und Powertrip Records, Lewis Johns, Meat Mystery und viele viele mehr an dieser Stelle!


Stilistisch orientiert ihr euch am Hardcore. Was bedeutet euch die Szene?


Welche Richtungen fließen noch bei euch ein? Für uns persönlich ist Punk und Hardcore definitiv mehr als Musik in dem Sinne, dass wir durch die Szene eine Art Weg zu unserer eigenen Politisierung gefunden haben. Sei es durch Lyrics von Bands, die wir gut finden; Leute, die man auf Konzerten kennengelernt oder die Orte, in denen man Shows gespielt

hat: Wir setzen uns heutzutage definitiv mehr und intensiver mit Themen wie Sexismus, Rassismus, Homophobie oder unserem eigenen Konsumverhalten auseinander, als noch vor ein paar Jahren.


Wir geben dabei wirklich unser bestes es nicht nur bei Phrasendreschereien zu belassen, sondern uns gegenseitig auch auf uncooles Verhalten anzusprechen und uns so auch als Freundeskreis weiterzubilden und zu sensibilisieren. Parolen wiederholen ist einfach, aber

sein eigenes Verhalten zu reflektieren und auch seinen guten Freunden mal zu sagen, wenn man eine Aussage oder eine Handlung nicht in Ordnung fand, ist manchmal unfassbar schwer. Wir versuchen stetig offen für Diskussionen zu sein. Weiterhin sind die meisten von

uns sehr aktiv im Autonomen Zentrum Köln. Auch dort sind wir über Punk und Hardcorekonzerte hineingerutscht und mittlerweile auch politisch aktiv. Unsere Gesellschaft braucht Orte, an denen ein emanzipatorischer und unkommerzieller Gegenentwurf zum Status Quo in die Tat umgesetzt wird. Das AZ ist so ein Ort, der zum Weiterdenken anregt und wir versuchen unseren Teil dazu beizutragen, dass er weiterhin existieren kann.

Ende des Jahres droht dem AZ der Abriss durch die Stadt Köln und es wird aktuell wahnsinnig viel dafür getan, dass es nicht so weit kommt.


Seit eurer Gründung 2013 ist sicherlich viel passiert , was sind eure Meilensteine?


In den letzten fünf Jahren hat sich sowohl auf Bandebene als auch privat vieles bei uns getan. Ich denke am Anfang war es für uns überhaupt erst einmal total abgefahren überhaupt Konzerte zu spielen. Für einige von uns ist Giver die erste richtige Band, in der wir jemals gespielt haben. Dann war es eine krasse Erfahrung, das erste Mal auf Tour

zu gehen und weiter weg von Zuhause Shows zu spielen, auch wenn viele davon etwas weird waren. Es war auch immer spannend, Labels zu finden, die Lust hatten, unsere EPs herauszubringen. Irgendwann haben wir dann die Entscheidung getroffen, ein Album zu schreiben und dabei wirklich das Beste aus uns herauszuholen. Die Folge waren zwei

Jahre Songwriting, Demos aufnehmen, Parts wegwerfen oder austauschen, neue Demos aufnehmen, an Lyrics feilen und schließlich nach Southampton zu fahren um WTCB aufzunehmen. Im Anschluss daran war die Zusammenarbeit mit Powertrip und Holy Roar Records ein sehr cooler Prozess, in dem viele interessante Dinge wie Songpremieren auf Metal Hammer oder BBC1 passiert sind. Am meisten freuen wir uns aktuell aufs Fluff Fest nächste Woche. Da waren wir schon häufiger rege Besucher in den letzten Jahren und freuen uns deshalb natürlich riesig, dieses Jahr selbst spielen zu dürfen. Lyrisch befasst ihr euch mit einer Vielzahl von Themen, wofür steht ihr als Band?


Letzten Endes schreiben wir immer über Themen, die uns zur Zeit viel beschäftigen. Da gibt es keine Langzeit-Priorität und das ist auch gut so. Das mag mal ein sehr persönliches und emotionales Thema wie bei z.B. Made It Home oder Pills sein oder ein eher politisches, sachlicheres wie bei Shock Of The Fall oder No World To Come. Wir haben im Schreibprozess des Albums wirklich viel Zeit auf das Schreiben der Texte verwendet und uns immer wieder gegenseitig Feedback gegeben und bis kurz vor dem Studio noch daran gefeilt. Pills ist zum Beispiel ein Song, an dem wir lange gearbeitet haben und der uns live sehr wichtig ist. Der Text arbeitet das Thema Depression und den eigenen Umgang damit auf und soll deutlich machen, dass dies eine Krankheit wie jede andere auch ist und man sich nicht dafür zu schämen braucht, sich Hilfe zu suchen, wenn man allein keinen Ausweg findet. „Shock Of The Fall“, „No World To Come“ und „What You Don’t Love“ behandeln alle Aspekte rund um Klimawandel, Konsumverhalten und die imperiale Lebensweise unserer westlichen Gesellschaft.


Wir sind die letzte Generation, die noch eine Chance hat, etwas am Werdegang dieses Planeten zu ändern und sollten diese Nutzen. Dafür sensibilisiert sein ist eine Sache, wirklich etwas am eigenen Verhalten ändern eine ganz andere. Nachhaltig und gerecht zu leben ist eine wahnsinnig schwierige Sache und ein Kampf, den jeder mit sich selbst

ausfechten muss.

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